Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule

Zu den degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen zählen im Wesentlichen:

  • Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose)
  • Arthrose der kleinen Wirbelgelenke (Spondylarthrose = Facettensyndrom)
  • Verschleiß der Bandscheiben und Wirbelkörper (Spondylose / Osteochondrose )
  • Wirbelkörpergleiten (Spondylolisthesis,Pseudospondylolisthesis)

Symptome:

Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke, häufig in einen oder beide Arme (Brachialgie) oder in ein oder beide Beine (Ischialgie, Cruralgie) ausstrahlende Schmerzen, oft mit einem Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der eingeklemmten Nervenwurzel. Neuere Berichte besagen, dass die heftigen Schmerzen möglicherweise nicht auf zusammengedrückte Nerven zurückgehen, sondern auf eine Immunreaktion bzw. Entzündung.
Gelegentlich können auch Lähmungserscheinungen an den Gliedmaßen in den sogenannten Kennmuskeln auftreten. In Extremfällen kann es zu einem Querschnittsyndrom kommen, wenn das Rückenmark oder die Cauda equina geschädigt werden. Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule können dadurch Stuhl- und/oder Harninkontinenz sowie Reithosenanästhesie auftreten.

Ursachen:

Es gibt verschiedene Ursachen für einen Bandscheibenvorfall: genetische Schwächen, einseitige Belastungen oder eine Schwäche der paravertebralen, das heißt neben den Wirbeln gelegenen, Muskulatur. Die ausschließlich Unfall- oder verletzungsbedingte Schädigung der Bandscheibe ist bislang nicht als Ursache nachgewiesen! Häufig tritt ein Bandscheibenvorfall auch während einer Schwangerschaft auf. Eine weitere Ursache, die das Vorfallen von Bandscheiben begünstigt, ist der aufrechte Gang des Menschen. Es gibt viele alte Menschen von über 90 Jahren, die in ihrem arbeitsreichen Leben niemals Beschwerden an der Wirbelsäule beziehungsweise den Bandscheiben hatten. Dagegen gibt es Kinder, die schon einen Bandscheibenvorfall erleiden mußten.
Mögliche Ursachen für den rasanten Anstieg von Bandscheibenvorfällen in der heutigen Zeit sind Bewegungsmangel und Fehlhaltungen, vor allem bei Büroarbeiten.

© GNU-Lizenz für freie Dokumentation user:debivort
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Diagnostik:

Ein Bandscheibenvorfall kann sich symptomlos ereignen und wird unter Umständen gar nicht entdeckt. Untersucht man Menschen, die nie wesentlichen Ärger mit der Wirbelsäule hatten, mittels MRT oder CT, finden sich bei 25 bis 28 Prozent dieser „gesunden“ Menschen Bandscheibenvorfälle. Der Umkehrschluss, einen bei einer bloßen Ischiasreizung gefundenen Bandscheibenvorfall als den Quell des Übels anzusprechen und zu operieren, kann daher falsch sein.
Die häufigsten Symptome sind starke Schmerzen (sowohl im Rückenbereich wie auch zu den Beinen ausstrahlend, im Fall der Lendenwirbelsäule), manchmal auch Empfindungsstörungen (Parästhesien) und/oder Lähmungen. Diese äußern sich bei betroffenen Lendenwirbelbandscheiben häufig durch Taubheitsgefühl (pelzig) in den Füßen und Unterschenkeln und Gangunsicherheit. Häufig betroffen ist die Muskulatur, die den Fuß, die Zehen oder den Fußaußenrand hebt.
Die Schmerzen lassen (etwas) nach, wenn man sich in die Rückenschonhaltung begibt. Nachlassende Schmerzen bei fortschreitender Lähmung sind ein schlechtes Zeichen, dann sind die sensorischen (schmerzleitenden) Fasern schon zerstört und die robusteren motorischen Fasern folgen nun.

Therapie:

Sowohl konservative Behandlung (Physiotherapie) als auch die seltenere Beseitigung des auf die Nervenwurzel drückenden Bandscheibenteils mittels einer Operation können zum Erfolg im Sinne der Entlastung der Nervenwurzel führen.
In den meisten Fällen (ca. 90 %) führt eine konservative Behandlung mit Schonung und schmerzstillenden Medikamenten zum Erfolg. Eine Infiltration der Nervenwurzel mit Kortison kann eine deutliche Schmerzreduktion erbringen. Im Verlauf sind Physiotherapie und schonende sportliche Betätigung zum Muskelaufbau notwendig beziehungsweise sinnvoll. Kommt es im Verlauf von etwa sechs Wochen zu keiner entscheidenden Besserung der Beschwerden, sollte ein Neurochirurg oder ein in der Bandscheibenchirurgie versierter Orthopäde konsultiert werden.
Ob operative Maßnahmen im Einzelfall erforderlich sind, ist umstritten: es gibt Einschätzungen, wonach über 80 Prozent der Bandscheibenoperationen überflüssig sind und vermieden werden könnten. Hier wird allgemein die „strenge Indikationsstellung“ für sinnvoll gehalten. Schwere neurologische Schäden, im EMG nachgewiesene Lähmungen und das sogenannte Cauda-equina-Syndrom erfordern eine möglichst rasche Bandscheibenoperation . Schmerzbehandlung auf operativem Weg ist meistens frustrierend.
Falls keine Lähmungen vorliegen, gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsresultaten dieses Eingriffs und dem konservativen (nicht-operativen) Vorgehen.